| von Britta Meyer

Großes Engagement für die neuen Nachbarn

Flüchtlingshilfe HafenCity erfolgreich gestartet

Der Grundstein für die Flüchtlingshilfe HafenCity ist bei einer ersten Informationsveranstaltung im Februar 2016 gelegt worden. Seither haben die engagierten Einwohner nicht nur einen Verein gegründet, sondern auch viele Angebote für die neuen Nachbarn ins Leben gerufen – und die positive Stimmung der ersten Stunden weiter in den Stadtteil getragen. Zeit für ein erstes Resümee.

erstes Treffen in der Hafencity Universität
© Hafencityzeitung - hafencitynews.de

Es ist ein winterlicher Abend in der HafenCity. Schneeflocken werden vom Wind über die Elbe geweht, während es im Auditorium der HafenCity Universität um ein Stück Zukunft des neuen Stadtteils geht. Betreiber und beteiligte Institutionen informieren über die neuen Nachbarn: Rund 700 Menschen sollen ab Herbst in einer Flüchtlingsunterkunft in der Kirchenpauerstraße einziehen.

Heute Abend gibt es erste Details und es sollen die Fragen der Nachbarn beantwortet werden: Was genau ist geplant? Wer wird auf der Brachfläche in der Nähe der Elbbrücken einziehen? Wie kann man helfen und unterstützen? Marcus Menzl hat die Veranstaltung mitorganisiert. Er ist bei der HafenCity Hamburg GmbH für die sozialen Entwicklungsprozesse im jüngsten Stadtteil der Hansestadt verantwortlich – „und natürlich sind die Geflüchteten damit auch ein Teil meines Aufgabenbereiches“, so Menzl.

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Auch Wolfgang Weisbrod-Weber, heute Vorsitzender des Vereins Flüchtlingshilfe HafenCity, ist an diesem Abend mit dabei. Menzl hatte ihn und seine Kollegin Tanja Heine gebeten in ihrer Funktion als Vorstand des Netzwerks HafenCity bei der Vorbereitung der Informationsveranstaltung zu unterstützen. „Als Vertreter des Bürgervereins der HafenCity waren wir von Anfang an in das Projekt integriert“, so Weisbrod-Weber.

„Es war damals völlig offen, welche Stimmungslage im Stadtteil herrscht“, erinnert sich Marcus Menzl. Im Vorfeld hatte es bereits viele positive Rückmeldungen gegeben, es waren aber auch kritische Stimmen dabei. In jedem Fall ist das Interesse der künftigen Nachbarn groß. Die Informationsveranstaltung hatte auf Grund der hohen Nachfrage vom Kesselhaus in die HafenCity Universität verlegt werden müssen. Entsprechend groß ist nun auch die Zahl der Fragen der rund 350 Gäste – und ein Thema steht dabei immer wieder im Mittelpunkt: Was können wir tun? Wie können wir helfen, die neuen Nachbarn unterstützen und in das Leben in der HafenCity integrieren?

Mit diesem Zuspruch hatten die Organisatoren nicht gerechnet: „Es war eine von Anfang an offene Atmosphäre und der Tenor positiv“, erinnert sich Marcus Menzl. Und diese anpackende Stimmung wird genutzt. Einwohner, die sich engagieren möchten, können sich in Listen eintragen und werden zu einer nächsten Informationsveranstaltung für Ehrenamtliche im Kesselhaus eingeladen. Hier finden sich Mitte März schnell Arbeitsgruppen für die verschiedensten Themen: von Freizeitangeboten für Jugendliche, über Sprachkurse, Begleitung bei Behördengängen oder die Öffentlichkeitsarbeit der neuen Initiative - der Grundstein für den heutigen Verein ist gelegt.

Wolfgang Weisbrod-Weber engagiert sich von Anfang an in der Koordinierungsgruppe, die als Bindeglied zwischen Ehrenamtlichen und Institutionen dient, und aus der schließlich im Herbst der heutige Verein hervorgeht. Der 61-Jährige wohnt erst seit zweieinhalb Jahren in der HafenCity und ist selbst neu in Hamburg. „Ich habe 30 Jahre im Ausland gearbeitet und auch für mich war hier erstmal vieles fremd“, erzählt er.

Weisbrod-Weber hat viele Jahre für die Vereinten Nationen gearbeitet und bringt sein Wissen aus den verschiedenen Einsätzen nun in die ehrenamtliche Arbeit in seiner neuen Nachbarschaft ein. „Jeder bringt seine Erfahrungen und sein Können mit und ich bin wirklich platt, was wir mit der Flüchtlingshilfe schon alles auf die Beine gestellt haben“, freut sich der Vereinsvorsitzende.

Was das konkret heißt, zeigt sich seit dem Einzug der ersten Bewohner Anfang Oktober. Die Ehrenamtlichen der Flüchtlingshilfe haben die neuen Nachbarn regelmäßig begrüßt und in ihrem neuen Zuhause in der HafenCity willkommen geheißen. „Da waren unsere Leute mit Tischen voll Kaffee und Kuchen – und das über Wochen“, erinnert sich Weisbrod-Weber, der fast immer auch selbst mit vor Ort war.

Mittlerweile leben rund 700 Menschen in der Wohnunterkunft, Großteils aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, darunter viele Familien mit kleinen Kindern. Dank dem Engagement der vielen Ehrenamtlichen gibt es für sie jede Woche regelmäßige Angebote von Deutschkursen und Kinderbetreuung über ein Begegnungscafé oder Tischtennis-Gruppen. „Hut ab vor diesem Engagement der Freiwilligen, die das regelmäßig auf die Beine stellen“, so Weisbrod-Weber.

Marcus Menzl zieht eine positive erste Bilanz: „Wir haben bereits ziemlich viel erreicht: Wir konnten Vertrauen aufbauen, haben einen Verein gegründet, Begrüßungsaktivitäten organisiert und Begegnungsorte geschaffen. Die Struktur ist da und kann nun weiter wachsen“, sagt der Stadtteilentwickler und ergänzt: „Es ist spannend zu sehen, wie viele Menschen, die hier schon lange leben, jetzt aktiv geworden sind und sich engagieren. Das hat mich wirklich beeindruckt und das ist auch eine wichtige Entwicklung für den Stadtteil.“ Dem stimmt Wolfgang Weisbrod-Weber komplett zu: „Das Engagement hat auch mich verändert und mein Leben hier in der HafenCity. Heute gehe ich raus auf die Straße und kenne und grüße ganz viele meiner Nachbarn.“

 

In unserem News-Bereich können Sie ab sofort regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen rund um die Flüchtlingshilfe HafenCity und die Folgeunterkunft an der Kirchenpauerstraße lesen. Hier finden Sie in Zukunft zum Beispiel Porträts von engagierten Einwohnern und Geflüchteten oder können bei den verschiedenen Aktivitäten und Angeboten hinter die Kulissen schauen. Und wenn Sie sich selbst engagieren möchten, finden Sie alle Informationen im Bereich „Mitmachen / Helfen“.


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